Die 10 wichtigsten Fachfragen

Ein Interview mit Eduard Brammertz

Eduard Brammertz

Eduard Brammertz kennt sich bestens mit der Altbausanierung und Renovierung von Denkmälern aus. Sein Herz schlägt für den Schutz von alten Strukturen und der Erhalt des Charmes alter Gebäude liegt ihm sehr am Herzen. Die wichtigsten Fachfragen unserer Kunden für Sie beantwortet:

Kann eine Rekonstruktion ähnlich wertig sein, wie die Restauration des Bestandes?

Ja - wird die Rekonstruktion fachgerecht ausgeführt, erhöht sie den Wert Ihres Objektes sogar langfristiger als die Restauration. In vielen Fällen sind die Kosten für eine Rekonstruktion ähnlich hoch, wie die für eine Restauration. Also erzielt man mit fast gleichem Budget ein langlebigeres Ergebnis.

Welche historischen Maßwerke können heute noch realisiert werden?

Wir können durch unseren eigenen Sonderfensterbau nahezu jedes historische Profil und jede Fensterteilung in unserer Aachener Schreinerei fertigen. Unser Credo: historisch korrekte Profile und Fensterteilungen. Wir fertigen individuell und nach Maß, alles zugeschnitten auf das Objekt, den Epochenstil und seine Bewohner. In unserem Unternehmen kombinieren wir hoch spezialisierte CNC-Technik mit Handwerkskultur. So meistern unsere erfahrenen Schreiner alle Herausforderungen.

Was können Sie zum Thema „Sprossen“ sagen. Welche Sprossenarten gibt es? Was macht die echte Wiener Sprosse aus? Müssen Sprossen heute wirklich Glasteilend sein, frühere Sprossenfenster bestanden doch aus Einzelverglasungen?

Bei Einzelverglasungen mit heutigem Isolierglas würde die Sprosse zwangsläufig 48 mm breit und würde das alte Erscheinungsbild verfälschen. Deshalb arbeiten wir nur in sehr seltenen Fällen mit Einzelverglasungen. Traditionell waren Sprossen in der Vergangenheit 24 oder 27 mm breit und besaßen eine Kittbettschräge außen (hier waren die Einzelverglasungen eingekittet). Diese wertige Optik erreichen wir beim Brammertz-Rekonstruktions-Fenster mit einer erscheinungsgleichen abgeschrägten schmalen Wiener Sprosse.

Wodurch zeichnet sich ein historisch korrektes hochwertiges Rekonstruktions-Fenster aus?

Es kommt auf die richtige Konstruktion an. Unser maßgefertigtes Brammertz-Stilfenster ist das Endprodukt langer Entwicklung. Nach gründlicher Studie von historischen Bauarten. lösen wir alle Rekonstruktionen perfekt: Flügelrahmen und Sprossen werden außenseitig abgeschrägt, um die Optik des damals eingekitteten Glases zu vermitteln. Die Fenster erhalten echte Holzwasserschenkel mit Wasserabtropfnute anstelle einer Regenschutzschiene. Die Einzelteile des Fenster (Kämpfer, Glashalteleisten, Stulpflügel…) erhalten eine Profilierung oder Kannelüren, entsprechend der historischen Epoche.

Was ist das Besondere am Kastenfenster und wann lohnt sich dessen Erhalt?

Ein altes Kastenfenster hat nahezu die Wirkung eines heutigen Isolierglasfensters und bietet guten Schallschutz. Meistens lohnt sich die Sanierung, wenn das Holz und die Konstruktion mindestens noch 20-25 Jahre halten. Bei Begutachtung eines Fensters können wir die Situation gut einschätzen.

Wie ist Ihre Meinung zu Vorsatzfenstern? Kann ein altes Fenster erhalten werden, indem man innen ein modernes Vorsatzfenster davor setzt?

Hierzu muss man sich mit der Bauphysik eines Gebäudes beschäftigen. Sobald man innen ein Vorsatzfenster vor das historische Fenster setzt, entsteht ein Zwischenraum. Dieser Zwischenraum birgt folgendes Risiko: er verlegt den Kondensations-Kälte-Punkt in den „gefangenen“ Fensterbereich. Hier kann eine besonders negative Klimazone entstehen. Zusätzlich kann Kapilarfeuchte aus dem Mauerwerk austreten. Entscheidet man sich für ein Vorsatzfenster, muss eine Belüftung des Zwischenraumes gewährleistet und die Wandlaibung besonders isoliert werden. Trotzdem bleibt ein Risiko. Oft entwickelt sich am Außenfenster schwarzer Speicherpilz, da die Feuchtigkeit aufgrund des Innenfensters nicht durch die Raumluft abgelüftet werden kann.

Kann man Sicherheitsbeschläge an historischen Bestands-Fenstern und Türen nachrüsten?

Dies ist bedingt möglich. Die historischen Beschläge bringen oft eine höhere Sicherheit im Vergleich zu neuen Standardbeschlägen. Der Schwachpunkt liegt meist in der Glasdurchdringung. Hier stellt eine Neuverglasung mit einbruchhemmendem Glas und eine aufschraubbare Zusatzverriegelung eine adäquate Lösung zur Sicherheits-Nachrüstung dar.

Können Altbau-Fenster mit eingekittetem Einfachglas eine moderne Neuverglasung erhalten?

Ja – hierzu setzen wir ein speziell angefertigtes Histoglas ein. Es hat eine Gesamt-Dicke von 8-14 mm mit Krypton-Gasfüllung im Luftzwischenraum und passt somit in die schmalen Glasfalze alter Fenster. Der Ug-Wert liegt bei 1,4-1,9 Watt. Es gibt auch ein Monoglas mit einem Ug-Wert von 3,4 Watt. Das Monoglas ist 4-6 mm dick und hat eine Hartbeschichtung zur Reflexion der Raumtemperatur.

Wie wird heute die Oberflächenbehandlung von Holz durchgeführt? Müssen Holzoberflächen noch so häufig wie damals nachgestrichen werden? Und wie gehen Sie mit diesem Thema bei der Restaurierung vor?

Bei Restaurationen muss die Oberfläche, wie früher, mit dem Pinsel aufgetragen werden. Wichtig ist hierbei die fachgerechte Vorarbeit und Entlackung von losem Material. Über die Lacke von heute ist eine richtige Revolution einhergegangen, sie sind nicht mehr vergleichbar mit damaligen Lacken: die heutigen Acryllacke sind elastisch und ventilieren, sie „bewegen sich mit dem Holz“ und platzen nicht mehr ab. Dies zeigt eine weitaus höhere Haltbarkeit, oft über 10 Jahre hinaus. Bei Rekonstruktions-Fenstern können wir mit der heutigen Oberflächentechnik arbeiten. Dann erreichen wir je nach Belastung beträgt die Haltbarkeit 20 Jahre. Die neuzeitliche Beschichtung erfolgt im Spritzverfahren mit moderner Airless-Technik mit einem Nass-Schichtdicke bis zu 200 my…ich muss sagen „besser geht’s nicht“!

Was raten Sie zum Umgang mit den Denkmalbehörden?

Vor der ersten Kontaktaufnahme mit dem Amt für Denkmalpflege wenden sie sich am besten an einen Fachbetrieb wie uns. Wir analysieren die bauliche Situation vor Ort und erstellen Ihnen eine fachgerechte Schadensanalyse über die erforderlichen Sanierungs-Maßnahmen. Danach erhalten Sie einen Lösungsvorschlag, den sie mit der Denkmalbehörde abstimmen können. Bei fachlichen Fragen seitens der Denkmalbehörde stehen wir Ihnen gerne mit unserer Expertise zur Seite!

Was tue ich zuerst, wenn ich die Sanierung eines alten Gebäudes Plane?

Recherche! Nicht immer ist das, was vorzufinden ist, aus der Erbauer-Phase. Eine Arbeit, die der Vorbesitzer aus „Lust und Laune“ vollzogen hat, muss ich nicht grundsätzlich erhalten – dies ist oft falsch verstandener Denkmalschutz. Sinnig ist, zu erhalten oder zu rekonstruieren, was aus der Erbauer-Phase stammt. Das gilt es herauszufinden. Hilfreich ist die Recherche über den Stil der Erbauer-Epoche und das Suchen von altem Bild oder Archivmaterial. Ein Beispiel: bei Nachkriegsfenstern findet man mitunter eine barocke Kreuzsprossenteilung in einem klassizistischen Gebäude. Hier empfiehlt sich die Rückführung zur Erbauerphase.

Eduard Brammertz

Eduard Brammertz

Geschäftsführer, Schreinermeister

Tel.: 02408 / 94 96 0
Fax: 02408 / 94 96 94

info@brammertz-schreinerei.de

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